Du kannst aber andere pants putten
"Kill them all!"
Das war ihr Paradigma und ihr Credo. Zusammen mit ihrer Schmeisser - wenn sie eine gehabt
hätte - ein explosiver Cocktail. Sie lief vor mir her die Via Giulia entlang und kochte vor Ärger.
- Weißt du, ich passe einfach nicht hierher.
- Mmmmh, machte ich.
Was konnte ich sagen. Sie war überzeugt, daß dies nicht ihre Stadt, nicht ihre Zeit und nicht ihre
Art von Leuten war. Sgt. Helga hatte ein schlechtes Timing erwischt.
Wir warteten auf den Bus und wie üblich kam keiner.
- Schau sie dir an. Alle so schön. Und sooooo smart.
- Wer?
- Die Italiener natürlich.
Sie war scharf wie ein Rasiermesser. Allerdings nicht so marktkonform wie die Einweg-Rasierer.
Und leider war ich der einzige, an dem sie ihre Wut auslassen konnte. Ich machte mich auf ein
paar Schnittwunden gefaßt.
- Man sieht deinen willy.
- Ja ich weiß, ist immer so, wenn ich die Diesel-Unterhose anhabe.
- Du könntest ja andere pants putten.
Ich mußte lachen. Unsere Kommunikation war ein einziges Chaos. Englisch, Deutsch, ein bißchen
Italienisch und für besondere Gelegenheiten ihr muttersprachliches Kroatisch. Ezzi, pezzi, pez.
- Andere pants putten. 'ne gute Headline.
Der Bus kam. Wir stiegen ein und fuhren mit. Schwarz. Wir setzten und ganz hinten hin.
Sie starrte angefressen raus in die Stadt. Ich mußte etwas unternehmen, sonst war der Tag gelaufen.
- So schlimm ist es auch wieder nicht.
- Was?
- Na die Stadt. Ich finde sie ok.
Daraufhin sagte sie nichts. Und ich mußte mir was neues einfallen lassen. Irgendwie war alles ein
bißchen anstrengend. Sie war hinter einer firewall. Massiv. Geschützt.
- Ich habe noch nie so 'ne große Pizza gegessen.
Jetzt mußte sie lächeln. Und ich stieß sofort nach.
- Meine war doppelt so groß wie bei uns 'ne normale. Deine war mit Auberginen, oder?
- Mmmmmh, Auberginen.
Das Gemüse hatte mich gerettet. Zumindest verbal.
copyright, hermann braendle, london 03/99